Vor allem ein Problem von Frauen
Meist rufen Bakterien des Typs Escherichia coli eine Blasenentzündung hervor. Sie wandern in der Regel vom Darmausgang zur Harnröhre. Dabei haben sie es bei Frauen leichter: ihre Harnröhre ist kürzer und liegt näher am After. Schwangerschaft oder Geschlechtsverkehr fördern bei Frauen die Infektion, bei Männern altersbedingte Verengungen der Harnwege.Im Überblick
Etwa jede 7. Frau leidet mindestens einmal im Jahr an einer Blasenentzündung, Jahr für Jahr erkranken etwa 5 Prozent aller jungen Frauen zum ersten Mal an dieser unangenehmen, aber Gott sei Dank meist harmlosen Infektion. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Frauen, die mit Blasenentzündungen (auch als Harnwegsinfekt oder Zystitis bezeichnet) zu tun haben, auf bis zu 20 Prozent an. Und während manche nur einmal im Leben Bekanntschaft mit dieser oft schmerzhaften Entzündung machen, reiht sich bei anderen, die besonders empfänglich dafür sind, einer Entzündung an die andere. Dass das weibliche Geschlecht besonders anfällig für dieses lästige Leiden ist, bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch Männer und sogar Säuglinge und kleine Kinder daran erkranken können.
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Drei Häufigkeitsgipfel
Schaut man sich an, wann es in der Bevölkerung zu Harnwegsinfekten kommt, fällt auf, dass es offenbar drei Häufigkeitsgipfel gibt. Alle drei stehen mit dem Alter der Betroffenen in Zusammenhang: Die größte Gruppe bildet die der geschlechtsreifen Frauen – wahrscheinlich weil diese Frauen sexuell aktiv und durch Schwangerschaften empfänglicher für diese Art von Infektion sind. Dann die Gruppe der Säuglinge und Kleinkinder. Hier gehen Harnwegsinfektionen meist auf das Konto von in dieser Altersgruppe noch häufigeren Schmierinfektionen oder (noch) unbehandelten Fehlbildungen der Harnwege. Die dritte Gruppe ist die der älteren Menschen, Männer wie Frauen. Hier treten Harnwegsinfekte gehäuft wegen altersbedingter Verengungen der Harnwege – zum Beispiel, weil eine vergrößerte Prostata oder ein Gebärmuttervorfall auf die Harnröhre drückt – auf.
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Blasenentzündungen: Frauen bevorzugt
Dass Frauen sehr viel häufiger an Blasenentzündungen leiden als Männer, hat, so wird meist vermutet, zwei Hauptursachen: Erstens ist die Harnröhre der Frau kürzer als die des Mannes, sodass Keime auch einen kürzeren Weg in die Blase haben, und zweitens liegen Harnröhrenausgang und Afterregion dicht beieinander, sodass es leichter zu Schmierinfektionen mit dem Haupterreger für Blasenentzündung, E. coli, einem Bakterium, das Bestandteil einer gesunden Darmflora ist, kommen kann. Neueren Untersuchungen zufolge sind jedoch diese einleuchtenden Erklärungen möglicherweise gar nicht so bedeutsam für die Empfänglichkeit von Blasenentzündungen wie Anormalitäten des Immunsystems. Hier ist sicherlich noch Forschung nötig.
Unbestritten ist jedoch, dass auch Geschlechtsverkehr zu einer Verschleppung von Keimen in die Blase beitragen kann – die sogenannte Honeymoon-Zystitis – wie auch Verhütungsmethoden, die auf das Abtöten von Spermien abzielen und damit das gesunde, krankheitsabweisende Scheidenmilieu (vorübergehend) aus dem Gleichgewicht bringen können. Das Gleiche gilt übrigens für Antibiotikatherapien, die sich ebenfalls ungünstig auf die gesunde Scheidenflora auswirken und damit krankmachende Keime begünstigen, die in die Harnblase wandern können.
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Blasenentzündungen in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft sind Frauen anfälliger für Blasenentzündungen. Der Grund: Der erhöhte Spiegel der Schwangerschaftshormone wirkt entspannend auf die Harnwegsmuskulatur, sodass Krankheitskeime leichter durch die Harnröhre in die Blase eindringen können. Vor allem in der zweiten Schwangerschaftshälfte wird oft eine Vermehrung von Bakterien im Urin festgestellt, weil der Säuregrad des Urins schwangerschaftsbedingt verändert ist und die größer werdende Gebärmutter auf die Harnwege drückt, sodass sich der Urin leichter staut und Bakterien sich gut vermehren können.
Schwangere sollten es nicht auf den Versuch ankommen lassen und darauf hoffen, dass die Blasenentzündung von allein verschwindet, sondern bei Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen gleich zum Arzt gehen. Auch andere Symptome wie Blut im Urin oder Fieber dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden und müssen sofort in fachkundige Behandlung, denn Harnwegsinfekte können nicht nur eine Nierenbeckenentzündung verursachen, sondern auch vorzeitige Wehen auslösen. Deswegen gilt für Schwangere, immer viel zu trinken, um in die Blase aufsteigende Keime rasch aus dem Körper zu spülen – 2 Liter am Tag sollten es schon sein.
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Harnwegsinfekte bei Säuglingen und Kleinkindern
Auch bei Säuglingen und Kleinkindern kann nicht ausgeschlossen werden, dass Mikroorganismen den Harntrakt besiedeln und eine Infektion verursachen. Fehlbildungen, z. B. eine Erweiterung der Harnwege, können Infekte noch begünstigen. Eine solche Entzündung ist schwer zu diagnostizieren, weil ein vermehrter Harndrang noch nicht mitgeteilt werden kann und häufigeres Wasserlassen leicht unbemerkt bleibt. Zudem verlaufen Harnwegsinfektionen bei Säuglingen oft (nicht immer) ohne Fieber, sodass auch dieses Warnsymptom fehlt und der Verdacht auf eine Erkrankung oft erst entsteht, wenn bereits schwere Krankheitssymptome vorliegen: das Baby trinkt dann zum Beispiel weniger, verliert an Gewicht, entwickelt eine Gelbsucht oder eine kränklich blasse Hautfarbe. Zudem können die Babys auf Berührung im Flanken-/Rückenbereich empfindlich reagieren. Bei älteren Säuglingen tritt oft hohes Fieber auf, das von Durchfall und Erbrechen sowie Anzeichen einer Gehirnhautentzündung begleitet sein kann.
Bei Verdacht auf einen Harnwegsinfekt hat der Kinderarzt verschiedene Möglichkeiten, Urin zu gewinnen, um die Diagnose zu bestätigen und eventuelle Erreger genauer zu bestimmen. Auch mit der Sonografie lassen sich typische Veränderungen durch Harnwegsinfektionen oder auch Fehlbildungen identifizieren. Welche Therapie dann eingeleitet wird, richtet sich danach, wie weit der Harnwegsinfekt fortgeschritten ist und welche Erreger (meist E. coli) ihn verursacht haben. Auch hier kommt man für gewöhnlich ohne ein unmittelbare antibiotische Therapie nicht aus.
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Harnwegsinfekt bei Männern
Harnwegsinfekte bei jungen Männern sind eher selten. Jeder Verdacht auf einen Harnwegsinfekt sollte aber unbedingt ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden, denn – anders als meist bei Frauen – gilt bei Männern, dass solange von einem komplizierten Verlauf auszugehen ist, bis das Gegenteil bewiesen ist. Ist die Prostata mitbeteiligt, liegt oft ein schweres Krankheitsbild mit Schmerzen im Unterbauch und Dammbereich sowie Fieber vor.
Meist bekommen Männer nicht „einfach so“ einen Harnwegsinfekt, sondern weil bestimmte Veränderungen im Harntrakt sie dazu prädisponieren. Deswegen muss bei Verdacht auf einen Harnwegsinfekt bei Männern immer auch an eine Harnröhrenverengung, Blasensteine, eine Vergrößerung der Prostata oder einen Tumor gedacht werden.
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