Gene und Umwelteinflüsse: Wie Depressionen entstehen
Wie kommt es zu einer Depression? Reicht ein traumatisches Erlebnis? Oder wird sie über die Eltern vererbt? Der genaue Entstehungsmechanismus ist noch unklar, es spielt aber neben psychosozialen Faktoren auch die Biologie eine entscheidende Rolle.Im Überblick
Schlimme Erlebnisse als Ursache
Oftmals geht einer Depression ein Ereignis voraus, das den Patienten in tiefe Trauer und Verzweiflung gestürzt hat. Warum aber andere Menschen mit ähnlichen oder sogar schlimmeren Erlebnissen keine Depression entwickeln, konnte man sich lange Zeit nicht erklären. Heute weiß man, dass es bei einer Depression zu ganz bestimmten Veränderungen im Gehirn kommt. Diese biologischen Veränderungen zusammen mit psychologischen Erklärungsansätzen können heute ein recht präzises Licht auf die Entstehung einer Depression werfen.
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Kann eine Depression vererbt sein?
Wenn ein Elternteil oder ein Geschwister schon einmal an einer Depression erkrankt war, ist das Risiko, auch eine Depression zu bekommen, erhöht. Hatten beide Eltern schon einmal eine Depression, steigt das Risiko noch einmal an. Aber ist das, was „vererbt” wird, tatsächlich eine Art „Depressionsgen” oder ist es vielmehr ein depressives Erlebens- und Verhaltensrepertoire, das von dem erkrankten Elternteil an die Kinder weitergegeben wird? Möglicherweise stimmt beides.
Unstrittig ist heute, dass genetische Ursachen bei der Depression eine Rolle spielen. Wahrscheinlich sind es jedoch mehrere Gene, die in einer bestimmten Weise miteinander und mit der Umwelt im Austausch stehen und den Betreffenden unter bestimmten Bedingungen mit einer Depression reagieren lassen. Offenbar bedarf es aber dieser genetischen Grundlage, Ereignissen von außen kommt eher eine Auslöserfunktion zu.
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Welche Rolle spielen Serotonin und Noradrenalin?
Um zu verstehen, was es mit den beiden Botenstoffen Serotonin und Noradrenalin bei der Depression auf sich hat, muss man einen Blick in das Gehirn werfen.
Was im Gehirn passiert Die Nervenzellen stehen in einem permanenten Austausch miteinander: Die Signale, die sie aussenden, werden von sogenannten Botenstoffen – oder Neurotransmittern – von einer Zelle zur anderen geleitet und lösen dort eine spezifische Antwort aus. Bei Menschen mit Depression ist diese Signalübertragung gestört. Eine wichtige Rolle scheint dabei ein Mangel des Botenstoffs Serotonin zu spielen, aber auch von Noradrenalin und, in gewissem Umfang, auch von Dopamin. Wenn diese Botenstoffe fehlen, können belastende Außenreize wie Stress nicht mehr ausreichend verarbeitet werden. Ob diese Erklärung tatsächlich stichhaltig ist, lässt sich bisher nicht beweisen. Denn man kann nicht messen, wie hoch die Konzentration dieser Botenstoffe im Gehirn tatsächlich ist. Da aber praktisch alle Medikamente gegen Depression auf den Serotonin- oder Noradrenalinhaushalt Einfluss nehmen, spricht viel dafür, dass man mit dieser Erklärung den Depressionsmechanismus zutreffend beschreiben kann.
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Weitere Erklärungsansätze
Offenbar kommen neben dem Mangel an Serotonin und Noradrenalin auch Faktoren von außen hinzu, ohne die es in den meisten Fällen nicht zur Ausbildung einer Depression käme.
Die Depression in der PsychoanalyseEin vielfach bearbeitetes Thema in der Psychoanalyse ist das der dysfunktionalen Familie. Mit Bezug auf die Depression wird argumentiert, dass ein Familiensystem so instabil sei, dass es nur um den Preis einer bedingungslosen Anpassung aufrechterhalten werden könne. Für die Kinder in einer solchen Familie bedeute dies, dass sie, ungeachtet eigener Wünsche und Bedürfnisse, bestimmte Leistungen und Verhaltensweisen in der Familie erbringen müssen, damit das empfindliche Gleichgewicht möglichst nicht ins Wanken gerät. Je mehr ein Kind versuche, die an ihn gestellten Erwartungen zu erfüllen, umso mehr sei es später depressionsgefährdet. Zum Ausbruch der Erkrankung könne es dann kommen, wenn die Erwartungen von außen so groß werden, dass die davon Betroffenen sich permanent überfordern, um ihnen gerecht zu werden.
Negative Denkmuster und DepressionenIm Zentrum dieses Erklärungsansatzes steht der Begriff der Kognition – also des Denkens beziehungsweise der Art, wie Informationen von einem Menschen verarbeitet werden. Vertreter dieses Erklärungsansatzes (zum Beispiel Aaron T. Beck) sind der Überzeugung, dass negative kognitive Denkschemata die Sicht Depressiver auf die Welt verzerren. Alles erscheint dann in einem negativen Licht und die Zukunft pessimistisch. Diese verzerrte Sicht bestimmt nun ihrerseits, wie die Betroffenen auf ihre Umwelt zugehen, welche Erfahrungen sie dabei machen und wie sie sie interpretieren. Meist entsteht so ein Teufelskreis, in dem die negativen Denkmuster immer mehr stabilisiert werden. Ob diese Muster die Depression auslösen oder selbst eine Folge der Depression sind, ist jedoch nicht abschließend geklärt.
Erlernte Hilflosigkeit und DepressionVor über 30 Jahren veröffentlichte der amerikanische Psychologe Martin Seligmann ein Modell, mit dem er die Depression zu erklären versuchte: das Modell der erlernten Hilflosigkeit. Danach können Menschen in Lebensumständen, in denen sie sich hilflos fühlen oder es tatsächlich sind, an Depressionen erkranken.
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